Gedenken und Kranzniederlegung zum Gedenken an die Opfer des SA–Überfalls von 22.02.1933 am Lister Turm in Hannover

Verlaufsbericht und Bilder: Jedes Jahr zum 22.02. lädt der Förderverein Lister Turm zum Erinnern an eine Mordtat ein. Titel in diesem Jahr „Mut tut gut“ – Gemeinsam gegen Rechts. Mit dabei der Bundestagsabgeordnete Adis Ahmetovic und der Landtagsabgeordnete Alptekin Kirci (beide SPD) sowie Vertreter des heutigen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold.

Anlass ist der Jahrestag des Hinterhalts mit Ermordung von zweiter Angehöriger des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold durch die SA (Sturmabteilung der NSDAP).

Redebeitrag von Daniel Fiedler für die Regionalgruppe Hannover des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten:

„Liebe Freunde vom Förderverein Lister Turm und vom Stadtteilzentrum, sehr verehrte Herren Abgeordnete, lieber Adis Ahmetovic, lieber Alptekin Kirci, sehr geehrte Gäste,
Heute, am 22. Februar 1924, vor 98 Jahren wurde das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Magdeburg gegründet als Demokratieschutztruppe der ersten deutschen Republik. Die Gründer kamen aus der SPD, der liberalen DDP und der christlichen Zentrumspartei . 
Hier in Hannover stark sozialdemokratisch geprägt, schützte das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold mit seinen bis zu drei Millionen Mitgliedern deutschlandweit auch hier an der Leine Veranstaltungen der demokratischen Parteien und Gewerkschaften und warb intensiv für Verfassung, demokratischen Rechtsstaat und Republik. 
So auch am 22. Februar 1933 beim Schutz einer SPD-Wahlveranstaltung hier am Lister Turm. Zwei Tote, Wilhelm Heese und Willi Grosskopf, sowie über zwei Dutzend teils schwer Verletzte unter den Reichsbannerleuten forderte der Überfall der Nazi-SA. Mir ist wichtig zu sagen: Hinter diesen Zahlen stehen normale Menschen, mit Familie, mit Beruf, mit Freunden. Viele der Überlebenden bekamen schon wenig später die Verfolgung der Nazi-Diktatur zu spüren. Nach dem Krieg bauten sie das demokratische Leben wieder mit auf.  
Besonderer Dank des heutigen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten gilt dem Förderverein, der Stadtteilarbeit und der örtlichen Sozialdemokratie, die das Gedenken an den Feuerüberfall 1933 am Lister Turm pflegen. 
Politische Bildung und Gedenken ist auch unsere Herzenssache, nicht erst seit der Wiedergründung 1953. Angesichts der politischen Gewalt und von Hass und Hetze ist das so nötig wie eh und je. 
Die Reichsbanner Regionalgruppe Hannover steht Neugierigen und Interessierten zum historischen und heutigen Reichsbanner gern zur Verfügung.
Es ehrt die Landeshauptstadt und den Stadtbezirk Vahrenwald-List, die Erinnerung an die Toten und Überlebenden antidemokratischer Gewalt wachzuhalten.

Liebe Gäste, im Namen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold herzlichen Dank für das  Zeichen, dass  Sie mit Ihrer Teilnahme setzen.


Der MdL Alptetin Kirci schreibt zur Veranstaltung in einem Facebookpost:

„Am 22.02.2022 gedachten wir der Opfer der SPD-nahen Organisation Reichsbanner. In der Nacht vom 21./22. Februar 1933 wollten Reichsbannermitglieder mit ihrer Schutzformation eine SPD-Wahlveranstaltung im Lister Turm schützen. Nazis wollten diese Versammlung sprengen, wurden jedoch von der Polizei daran gehindert in den Saal einzudringen. Die SA Männer zogen sich in die Eilenriede zurück und schossen auf die Genossen der SPD des Reichsbanners, als diese am Lister Turm eintrafen. 19 Menschen wurden bei den unbewaffneten Reichsbannermitgliedern verletzt. Willi Großkopf und Wilhelm Heese starben in derselben Nacht. Karl Essmann starb im März 1933 an den Folgen der Schüsse. Das Begräbnis von Willi Großkopf und Wilhelm Heese wurde zu einer der letzten großen Protestaktionen gegen Nazis in Hannover. Wenige Tage später brannte der Reichstag, Hitler wurde zum Reichskanzler ernannt und die Republik existierte nicht mehr. Millionen Menschen starben durch den Nazi-Terror. Neben dem Haupteingang des FZH Lister Turm hängt eine Gedenktafel, die an dieses Ereignis erinnert. Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit bedrohen nach wie vor unsere Gesellschaft. Auch heute stiften Nazis zu Gewalt, Terror und Mord an. Vielfalt, Toleranz, Meinungs- und Religionsfreiheit stehen plötzlich in Frage – und mit ihnen der gesellschaftliche Ausgleich – der demokratische Konsens. Wir müssen und Fremdenhass, Antisemitismus und Gewalt entschieden entgegentreten. Demokratie braucht Demokratinnen und Demokraten – in Deutschland und weltweit. Uns bleibt nichts anderes, als unsere Haltung immer wieder aufs Neue zu formulieren, weiterhin um die besseren Konzepte in den Parlamenten zu streiten und Angebote zu machen, die die Menschen überzeugen. Demokratie ist Streit und Kampf und ihre schärfste Waffe ist heute das überzeugende Argument. Vielen Dank an den Förderverein Lister Turm e.V., Dr. Bala S. Ramani (Vorsitzender der Geschäftsführung Lister Turm e.V.), Birgit Ahrens (Stadtteilzentrum Lister Turm), Adis Ahmetovic (MdB) und die Vertreter*innen des Reichsbanners.Besonders gefreut hat mich, dass ich Frau Sylvia Wolter, geb. Jahn, bei dieser Gedenkveranstaltung kennenlernen durfte. Sie ist wie ihr Großvater Reichsbannermitglied, der die Ermordeten persönlich kannte.“

Quelle: https://www.facebook.com/pages/Lister-Turm/159988634029915


Siehe auch:

Zusammenstellung vom 26.02.2022, herral

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